100 Jahre Bauernhausmuseum

Ausflug in die Vergangenheit

 

 

Großstadt im Grünen. So beschreiben viele BielefelderInnen ihre Heimat. Das liegt nicht nur an der besonderen Lage am Teutoburger Wald. Bis zur Industrialisierung war Bielefeld eine eher überschaubare, vom bäuerlichen Leben geprägte Stadt. Doch wie genau sah es aus, das ländliche Leben um 1850? Um das herauszufinden, lohnt sich ein Ausflug ins Grüne. Genauer gesagt: auf die Ochsenheide. Dort lädt das älteste Freilichtmuseum Westfalens seit 100 Jahren zu einer Zeitreise in die Vergangenheit.

Bockwindmühle, Backhaus und blühender Bauerngarten. Dazu westfälischer Pickert oder köstlicher Kuchen im Café. Einerseits bietet das BauernhausMuseum die perfekte Kulisse für einen Ausflug in die Sommerfrische. Andererseits entlarvt es die trügerische Idylle von der guten alten Zeit. Vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom arbeitsreichen Alltag und dem harten Kampf um das Überleben der Hofwirtschaft. „Das Leben auf dem Bauernhof war eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Tätigkeit. Zugleich gab es viel Armut und Lebensmittel waren knapp“, erklärt Dr. Lutz Volmer, der das BauernhausMuseum seit 2013 leitet. Die Dauerausstellung und die Außenanlagen geben großen und kleinen Besuchern Einblick in die Kulturtechniken, die damals jeder beherrschen musste, um das Überleben zu sichern. „Wie baut man seine eigenen Kartoffeln an? Welche Apfelsorten gibt es? Wie gehe ich mit den Tieren um? Wie bleiben angebaute Lebensmittel über den Winter genießbar? Einen Kühlschrank gab es ja noch nicht“, scherzt der Ethnologe, „also hat man Lebensmittel zum Beispiel in Salz eingelegt, um sie haltbar zu machen. Und das wärmende Herdfeuer diente auch dazu, Fleisch im Rauch zu konservieren.“

Neben der Dauerausstellung und regelmäßigen Sonderausstellungen lädt ein umfangreiches museumspädagogisches Programm dazu ein, bestimmte Aspekte zu vertiefen und insbesondere selbst aktiv zu werden. Wer selbst einmal Getreide gedroschen oder Flachs gesponnen hat, erhält ein tieferes Verständnis für die ländliche Kultur. Und natürlich macht es zugleich schlichtweg Spaß, in die Vergangenheit einzutauchen. Genau dazu laden auch die Jubiläumswochen im Juni ein. „Wir haben den Jubiläumsmonat in verschiedene Aktionswochen eingeteilt, um unsere Themen den Besuchern schmackhaft machen“, erklärt der Museumsleiter. Und das ist bei einigen Veranstaltungen durchaus wörtlich gemeint, etwa wenn Sauerteigbrot gebacken oder selbst gebuttert wird. Ganz besonders freut sich der gebürtige Bielefelder auf das Jubiläums-Sommerfest am 10. & 11.6. mit zahlreichen Aktionen für die ganze Familie.

Am 11.6. eröffnet auch die Jubiläumsausstellung, die sich der wechselvollen Geschichte des BauernhausMuseums widmet. „Ursprünglich war das Museum zum 700. Stadtjubiläum 1915 geplant“, weiß Dr. Lutz Volmer. „Die Stadtoberen hatten das Gefühl: Die Stadt hat sich so dramatisch verändert, dass wir die ländlichen Lebensbedingungen ‚konservieren‘ müssen. Die vermeintlich gemütliche alte Welt schien gefährdet und man wollte sie im BauernhausMuseum bewahren.“ Die Anfänge des Museums gehen auf die historische Sammlung zurück. Schon seit 1906 gab es eine mit bäuerlichen Gegenständen eingerichtete Stube, dann entstand der Wunsch nach einem ganzen Haus. Das wurde tatsächlich 1917 mit dem Haupthaus des Hofes Meier zu Ummeln von 1606 eingeweiht. Das BauernhausMuseum nahm Gestalt an. Als dann in den 1930er Jahren Mühlen und Speicher dazukamen, entstand ein Freilichtmuseum, zu dem sich in den 80ern Back- und Bienenhaus gesellten. „Einen herben Rückschlag für das Museum gab es, als 1995 das Haupthaus abbrannte“, erinnert sich der Museumsleiter. „Da drohte das Aus.“ Nur dank großer ehrenamtlicher und privater Unterstützung konnte das BauernhausMuseum 1999 wieder eröffnet werden. Und glänzte zudem mit einem neuen Schmuckstück: dem Hof Möllering aus Rödinghausen von 1590. „Bei dem heutigen Haupthaus konnte jeder Balken erhalten werden, alle Hölzer sind Originale“, betont Dr. Lutz Volmer. Und genau dieser Anspruch, keine nachgebauten Fachwerkhäuser, sondern Originale zu zeigen, ist ihm ein großes Anliegen.

Übrigens existiert das beliebte Museum bis heute nur aufgrund des bürgerschaftlichen Engagements. Es ist keine städtische Einrichtung, sondern wird in privater Trägerschaft geführt. Damit Bielefelds Vergangenheit weiterhin eine Zukunft hat, wünscht sich der Museumsleiter daher vor allem eine sichere und dauerhafte finanzielle Basis. „Einen anderen großen Wunsch erfüllen wir uns gerade“, freut sich der gebürtige Bielefelder. „Mit dem Kotten Olderdissen wird derzeit das einzige Gebäude saniert, das original hier auf dem Gelände stand.“

www.bielefelder-bauernhausmuseum.de

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