Takt üben

Tanzen macht süchtig

 

 

Wie spannend Tanzen ist, beweist seit zehn Jahren Let`s Dance. Die RTL Tanzshow, ein Tanzformat von vielen, zieht Woche für Woche Millionen Zuschauer in ihren Bann und bietet – so ganz nebenbei – dem Tanzsport eine Plattform. Wer statt auf den Bildschirm zu starren, lieber selbst die Füße bewegen möchte, findet in Bielefeld passionierte TänzerInnen, die mit angesagten Tanzstyles wie Salsa, Linedance oder Lindyhop BielefelderInnen vom Sofa holen. Musik ist einfach ein super Überredungskünstler. Noch dazu hält Tanzen den Körper in Form, schult die Koordination und fordert den Geist. Sich früh morgens in die Sportschuhe zu zwängen, um eine Runde zu joggen oder abends noch ins Fitnessstudio aufs Laufband zu steigen – das ist eindeutig schwerer als sich fürs Tanzen aufs Parkett zu begeben.

Ein Kampfsportler der Salsa tanzt? Ja, Jean-Paul Streden hat seine Liebe zum Salsa entdeckt und zum Beruf gemacht. Und seinen alten als Wirtschaftsprüfer an den Nagel gehängt. Anja Pielsticker tanzt in ihrer Freizeit. Seit neun Jahren lautet ihre Leidenschaft Lindyhop während Marina Krüger vor knapp zehn Jahren die Begeisterung für Linedance nach Bielefeld brachte. Erst unterrichtete sie beim TC Metropol, bevor sie vor fünf Jahren mit anderen Tanzbegeisterten Linedance4all e.V. gründete. Seitdem entfacht die gebürtige Berlinerin die Leidenschaft für Linedance in der Leineweberstadt. Vom Schüler bis zum Rentner, eben „4all“. Die Jüngsten sind fünf Jahre alt, die Älteste sagenhafte 82 Jahre. Getanzt wird in Reihen und Linien vor- und nebeneinander. Von Dornberg bis Sennestadt. Zwölf unterschiedliche Gruppen sind über die Jahre bei Linedanche4all herangewachsen. Auch ein eigenes Vereinsheim in Heepen gibt es für die 150 begeisterten Bielefelder TänzerInnen seit Oktober dieses Jahres. „Aber wir bleiben in den Stadtteilen vor Ort, um unseren TänzerInnen kurze Wege zu ermöglichen“, betont die 2. Vorsitzende.

Auch Lindyfeld e.V. hat in Bielefeld gerade seinen fünften Geburtstag mit einer großen Geburtstagsgala gefeiert. Vorsitzende des Vereins ist Jutta Vinke, Anja Pielsticker gehört ebenfalls zum Vorstand und leitet Kurse. Ihre ersten Schritte hat sie vor neun Jahren im schwedischen Herräng gemacht. „Dort habe ich mich beim LindyHop-Camp für einen Anfängerkurs angemeldet und danach regelmäßig Workshops besucht. Damals gab es in Bielefeld selbst noch keine Möglichkeit Lindyhop zu lernen.“ Das ist längst Geschichte. Die Szene der Lindyhop-Begeisterten wächst kontinuierlich weiter und ist in der Region inzwischen fest verwurzelt. Stilmäßig ist Lindyhop in den späten 20er und frühen 30er Jahren angesiedelt und aus dem Charleston heraus entstanden. Schwarze Jugendliche tanzten ihn zum ersten Mal in New York. In Vergessenheit geraten erlebt LindyHop seit den 80er Jahren vom hohen Norden aus sein Revival. „Lindyhop ist Lebensfreude pur“, unterstreicht Anja Pielsticker. Die drückt sich für Jean-Paul Streden im Salsa aus. Inspiriert durch sein kubanisches, antillanisches und Surinam-Erbe hatte der Wahl-Bielefelder bereits als Kind großes Interesse an Musik. „Ich habe schon sehr früh Son Montuno, Bolero, Mambo sowie moderne ‚Salsa’ Musik gehört. Sie war – vor allem durch meine Mutter – in unserer Familie allgegenwärtig“, erzählt der gebürtige Niederländer, den die Liebe vor dreieinhalb Jahren nach Bielefeld führte. Spät, erst mit 21 Jahren begann seine Tanzkarriere. Ausschlaggebend war ein Urlaub in der Dominikanischen Republik. „Dort habe ich entdeckt wie männlich Tanzen sein kann“, erzählt er von den Anfängen seiner Leidenschaft für den lateinamerikanischen Paartanz, der sich durch viele Stile und Schichten auszeichnet.


Professionell ausgebildet tourte Jean-Paul Streden vier Jahren lang mit bekannten Showgruppen mit einer Salsa-Show durch Europa bevor er in Bielefeld Floración Dance & Fitness gründete, was übersetzt sinngemäß soviel wie „blühen, florieren, gut gehen und wachsen“ bedeutet. Salsa, das ist für ihn die Verbindung zwischen Geschichte, Kultur, Musik und Tanz. Die Komplexität der Musik begeistert den 35-Jährigen. „Ich habe mich durch das Tanzen kennengelernt“, blickt er zurück. „Und ich bin der Beweis dafür, dass jeder tanzen kann.“ Aus seiner Sicht sollten Tanzlehrer sehen, welche Sprache ein Schüler spricht, um ihn zu unterstützen Tanzen zu lernen. In Bielefeld unterrichtet Jean-Paul Streden an zwei Standorten, in Schildesche und in Quelle im Zweischlingen, dazu gibt es in Paderborn und ab Januar auch in Herford Salsa pur. „Das Schöne ist, dass man zum Salsa als Paar, aber auch allein kommen kann“, betont Jean-Paul Streden. Schließlich gibt es immer ein Team von Gastherren und –damen, die tanzend aushelfen. Dann geht’s gemeinsam mit drei Schritten durch den Vierertakt. Aufrecht, aber nicht steif. „Es ist ein Improvisationstanz, die Person, die führt bestimmt – das kann auch die Frau sein“, sagt Jean-Paul Streden. Seine Energie und Leidenschaft investiert er begeistert ins Tanzen. „Es geht mir immer um eine gesunde Mischung zwischen Technik und Spaß“, betont er.

Auch dem Lindyfeld e.V. geht es vor allem um den Spaß am Tanz. „Wer Lust auf Musik hat und sich darauf einlassen möchte, ist bei uns richtig“, unterstreicht Anja Pielsticker. „Natürlich hilft Taktgefühl und Tanzerfahrung, aber das muss nicht sein. Tanzen ist wie gehen, nur das wir beim LindyHop verschiedene Rhythmen aufgreifen.“ LindyHop lebt vom Improvisieren und vom Ausprobieren. Abhängig vom Können entwickeln Leader und Follower die Figuren weiter. Den Einstieg in den Tanz ebnet allerdings ein Grundschritt, der am Anfang durch kleine Variationen verändert werden kann. Im Januar beginnen wieder neue LindyHop-Kurse und auch Balboa-Workshops. „Das ist Swing zu schnellerer Musik und entwickelt sich gerade“, erzählt Anja Pielsticker. Im Unterschied zum LindyHop wird Balboa oben sehr eng im Paar getanzt und es gibt viele Variationen mit den Füßen. Tänzer, die beide Tänze können, kombinieren einzelne Elemente sogar in einem Tanz.

Die ersten Schritte in die Welt des Linedance bahnte sich Marina Krüger vor gut 20 Jahren. „Es war die Zeit als Videoclip Dancing aufkam. Also habe ich einfache Choreografien mit meinen Kindern geprobt, geschaut, ob es funktioniert und diese dann mit einer kleinen Gruppe Kindern geübt“, erzählt Marina Krüger. Über ihr Hobby Country & Western- und Rock’n Roll-Songs zu singen, war der Schritt zum Linedance nicht mehr weit. Heute ‚vertanzt‘ sie beim Linedance bis auf Heavy Metal die gesamte musikalische Bandbreite. Aktuelle Chart-Hits ebenso wie Oldies. „Linedance funktioniert selbst zu Langsamen Walzer“, stellt Marina Krüger schmunzelnd fest. Beim Tanzsport geht es der C-Trainerin vor allem darum, alle zu motivieren und mitzunehmen. „Jeder so wie er kann.“ freut sich die C-Trainerin. Zumal es beim Linedance für jeden Song eine Choreografie gibt, zu der weltweit getanzt werden kann – ohne Sprachbarrieren“, so die 56-Jährige, die sich bereits auf die Weltmeisterschaft in San Francisco Ende dieses Jahres freut. „Durch das Tanzen ohne Worte kommunizieren zu können, macht auch für Anja Pielsticker den besonderen Reiz beim Tanzen aus. „Tanzen verbindet“, macht sie deutlich. „Vor allem aber macht es süchtig“, unterstreicht Jean-Paul Streden.

Infos und aktuelle Termine:

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