Open-Air-Saison

Bühne frei für den Kesselbrink

 

 

Wetter is’ alles! Dieser alte Spruch bewahrheitet sich kaum jemals so wie bei Konzerten unter freiem Himmel. Egal ob Klassik oder Rock – eines eint die Veranstalter auf jeden Fall: der bange Blick gen Himmel bzw. auf die Wetter-App. Und so haben Initiatoren wie Besucher buchstäblich von Sonnenmilch bis Regenschirm alles dabei.

Dass die Bielefelder wirklich hart im Nehmen sind, haben die Ostwestfalen im vergangenen Jahr beim Konzert der Bielefelder Philharmoniker im Bürgerpark eindrücklich unter Beweis gestellt. Zum Abend goss es in Strömen und die Temperaturen waren alles andere als sommerlich. Mit Regenschirm, Poncho, festem Schuhwerk und Winterjacke bewaffnet ließen sich die Besucher ihr Picknick jedoch nicht nehmen – und erlebten eine mitreißende Reise durch die Welt der Filmmusik. Die Feuchtigkeit stellte allerdings die Musiker vor so manche Herausforderung, denn diese schädigt die Instrumente.

Ein Open Air in klassischer Besetzung erfordert demnach viel Flexibilität und Improvisationsvermögen. Planen, Handtücher, Gummibänder und Wäscheklammern zum Befestigen der Noten gehören mit ins Gepäck, wenn es nach draußen geht. Wie auch Sonnencreme, Hut oder Sonnenbrille. „Auch Hitze und Sonneneinstrahlung können problematisch sein“, lacht Martin Beyer. „Bei Temperaturen von 35 Grad trocknet das Holz der Instrumente aus.“

Eine Herausforderung, der sich die Philharmoniker auch in diesem Jahr auf dem Kesselbrink stellen. „Der Kesselbrink ist der urbanste Platz Bielefelds und hat einen großen Anteil am Stadtcharakter. Die Stein-Wiese-Skater-Fläche mit Kunst zu verbinden, macht für uns einen großen Reiz aus“, ist der Direktor des Orchesters begeistert. Nachdem sich das Ensemble zuletzt mit Filmmusik beschäftigte, steht am 13.7. Computerspielmusik auf dem Programm. „Wir bleiben dem Seitengenre treu und gehen noch ein Stück weiter“, erzählt Martin Beyer. „Musik wird auch bei Computerspielen immer wichtiger – neben einer guten Story und einer herausragenden Grafik. Es ist wie im Film, die Musik sorgt dafür, die Spannung aufrechtzuerhalten.“ Die Philharmoniker hoffen unterschiedliche Besuchergruppen anzusprechen. Für die einen, die die Spiele kennen, wird es ein Aha-Erlebnis, dass die Philharmoniker auch solche Musik spielen können und im Umkehrschluss lernen Klassik-Versierte einen neuen Einsatzbereich klassischer Elemente kennen.

Die Akustik spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle. „Hat man beispielsweise 60 Musiker auf der Bühne, müssen die Einzelstimmen abgenommen werden, aber auch der Mischklang eines großen Orchesters muss stimmig sein. Dazu braucht man nicht nur das technische Equipment, sondern einen erfahrenen Tonmeister am Mischpult“, erklärt der Orchester- und Konzerthausdirektor. „Der Tonmeister ist fast wie ein zusätzlicher Musiker, ohne ihn können die Musiker das Blaue vom Himmel spielen und der Klang würde nicht so perfekt beim Publikum ankommen.“

 

So klingt der Sommer – Summer Soundz

Zum zweiten Mal sorgt Auftakt e. V. in den Sommerferien für ein musikalisch abwechslungsreiches Programm auf dem Kesselbrink. An fünf Mittwoch Abenden gilt es, spannende neue Bands zu entdecken. In Zusammenarbeit mit Newtone und dem Kulturamt wird der zentrale Platz der Stadt zum Anziehungspunkt für Musikfreunde. „Wir hoffen natürlich auf gutes Wetter“, lacht Kim Jodszuweit, 1. Vorsitzende des Vereins. „Im vergangenen Jahr mussten wir wegen des Sturms ein Konzert ganz spontan ins benachbarte Potemkin verlegen, auch weil es eines unserer Zelte zerlegt hat. Aber eigentlich ist die Konzertreihe für draußen gedacht.“ Im vergangenen Jahr hatte der Wettergott doch zumeist ein Einsehen und so war die Resonanz auf dem Kesselbrink groß und das Publikum bunt gemischt. Für die zumeist jungen Bands aus Bielefeld und Umgebung, die auch alle mit jeweils einem Song auf dem im Mai erschienenen „Soundz of the City“Sampler zu finden sind, eine gute Chance, sich einem größeren Publikum präsentieren zu können. „Die Auftrittsmöglichkeiten für regionale Bands sind überschaubar“, so Tom Kummerfeldt von Newtone, „und daher nutzen wir sehr gern die natürliche Bühne auf dem Kesselbrink. Ein Platz, der mitten in der Stadt liegt und im Sommer sehr schön ist.“

Ein Open Air ist – wie schon gesehen – mit erheblich mehr Aufwand verbunden als ein Konzert in einer Halle. Warum geht's dennoch nach draußen? „Man muss einfach das Summer-Feeling genießen“, betont Kim Jodszuweit. „Wenn man drinnen ist, bekommt man das gar nicht mit.“ „Und wenn im Sommer hinter den Gebäuden am Kesselbrink die Sonne untergeht, ist das ein besonderer Moment“, ergänzt Tom Kummerfeldt. Dazu ein kühles Getränk, natürlich gute Musik – und das Summer-Feeling ist perfekt.

„Jeden Abend spielen zwei ganz unterschiedliche Bands“, erläutert Kim Jodszuweit das Konzept. Der Akzent liegt auf Rock in all seinen Facetten. So sind beispielsweise neuer Stoner-Rock, Indie, Post-Rock und auch Punk vertreten. „Frische, unverbrauchte Musik, jenseits des Mainstreams“, da sind sich Kim Jodszuweit und Tom Kummerfeldt einig. Am 18.7. bestreiten „Crown of Things“ und „La Mer Étale“ den Auftakt. Die Konzertreihe schließt am 22.8. mit einem Hip-Hop-Special.

Summer Soundz findet bewusst in den Sommerferien statt. „Das ist ein Angebot für alle, die in den Ferien vielleicht nicht wegfahren und trotzdem etwas Schönes erleben möchten.“ Der Eintritt ist frei und so hat man noch einen Grund mehr, mittwochs auf den Kesselbrink zu gehen.

 

Happy to Bi here

Schon bevor die Summer Soundz im Juli starten, gibt es gute Gründe den Kesselbrink anzusteuern. Von Mai bis Juni macht die Reihe „Happy to Bi here“ den Kessel bunt. Die insgesamt fünf Konzerte finden im Rahmen des Weltnacht Festivals statt. „Vor zwei Jahren hatte ich das Gefühl: Auf dem Platz muss was passieren“, sagt Programmleiter Michael Lesemann. „Wir wollten positive Energie auf den Kesselbrink bringen. Das ist ja ein Ort, wo sich die verschiedensten Menschen begegnen. Und ‚Happy to Bi here‘ gibt lokalen Künstlerinnen und Künstlern mit Zuwanderungshintergrund eine Bühne. Das passt symbolisch einfach gut zusammen. Hier treten keine Superstars auf, sondern es ist eine schöne, kleine Reihe, die ein positives Zeichen setzt für kulturelle Vielfalt und ein friedliches Miteinander.“ Die musikalische Bandbreite reicht von westafrikanischen Trommelklängen über mitreißendem Reggae bis zu Gypsy-Jazz. Die perfekte Auswahl, um nicht nur den Platz zu beleben, sondern auch die Zuschauer.

Das Wetter macht Michael Lesemann bei dieser Reihe keine großen Sorgen. Bei freiem Eintritt ist es nicht so entscheidend, ob 300 oder 500 Besucher kommen, und der organisatorische Aufwand ist relativ gering. „Drei bis fünf Mitarbeiter vor Ort stemmen die Konzerte und sammeln Spenden, plus zwei Leute für den Essensstand“, so der Leiter des Kulturbüros im Welthaus. Schlaflose Nächte hat er dagegen vorm Carnival der Kulturen, den das Welthaus gemeinsam mit den Shademakers organisiert. Nicht nur die Parade macht bei Sonnenschein mehr Laune, auch auf die Eintrittseinnahmen für das anschließende Musikprogramm im Ravensberger Park ist der Carnival dringend angewiesen. „Wenn das Wetter nicht mitspielt und zu wenige Menschen in den Park kommen, kann man an einem Tag 15.000 Euro Miese machen“, so Michael Lesemanns leidvolle Erfahrung.

Dennoch ist er ein überzeugter Fan von Open-Airs und ihrer ganz besonderen Atmosphäre. „Und wer will schon drinnen eng zusammengepfercht sein, wenn draußen das Wetter schön ist!“, lacht der Programmleiter. Zu seinen eigenen ganz besonderen Erinnerungen aus 25 Jahren Weltnacht Festival und sogar schon 30 Jahren Weltnacht Konzerten zählen die Auftritte von Mei Tei Sow auf dem Klosterplatz und Dub Incorporation im Ravensberger Park. Kein Wunder, dass auch die Feier des 25. Weltnacht Festivals am 8.9. unter freiem Himmel stattfindet: Im BauernhausMuseum treten unter anderem Adesa, Kozma Orkestra und Uwe Banton auf. Und dafür lohnt es sich dann auch, aus dem (Tal)Kessel auf den Johannisberg zu steigen.

 

Konzerte auf dem Kesselbrink

Happy to Bi here

9.5. Trio Alvorada

16.5. Basa Basa

23.5. Wake the Town – Open Air Reggae Party

20.6. Afro Acoustics & Tierra Madre

27.6. Combo Libre

 

Bielefelder Philharmoniker

13.7. Computerspielmusik

 

Summer Soundz

18.7. Crown of Things & La Mer Étale

25.7. Petty Thing & Nevermeant

1.8. Hey Miracle & Ruby in the Box

15.8. Der Draht & Dünamit

22.8. Sendo & MadCap & Fe & Vorloud

 

Noch mehr Open-Airs

9.6. Carnival der Kulturen, Innenstadt & Ravensberger Park, u. a. mit Shantel & Bucovina Club Orkestar

22.6. Campus Open Air u. a. mit Cro, Von wegen Lisbeth, Turbostart, Neonschwarz, Goldroger

23.6. Picknick trifft Klassik mit den Bielefelder Philharmonikern, Naturbad Brackwede

7.7. Fairstival, Ravensberger Park

9.7. Rock on the Beach, Senner Waldbad

8.9. 25 Jahre Weltnacht Festival, BauernhausMuseum

Noch mehr Veranstaltungen von „Ohrenweide“ bis „Mittwochs auf der Burg“ unter Kulturamt Bielefeld

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