ESCAPE GAMES KÖNNEN OUTDOOR

NICHTS WIE RAUS

Hinweise finden, Codes knacken und Rätsel lösen. Und zwar innerhalb einer vorgegebenen Zeit und gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Spielern. Noch dazu eingesperrt – natürlich freiwillig – in einem Escape Room. Wem das zu eng ist, kein Problem. Die Escape Games können auch draußen. Zumindest in Bielefeld. Also, nichts wie raus.

Mit der Outdoor-Variante wird Bielefeld zum Abenteuerspielplatz.
Denn auch hier warten spannende Stories und knifflige Rätsel darauf, gelöst zu werden. Und so ganz nebenbei lernt man auch noch die geheimen Ecken von Bielefeld kennen. Mit ihrer appgesteuerten Outdoor-Tour bringt Raum&Zeit Adventure Games das Escape-Room-Feeling nach draußen. „2016/17 sind wir in Berlin auf etwas gestoßen, von dem wir dachten, dass es ein Outdoor-Game analog zum Indoor-Event ist“, erzählt Michael Wabiszczewicz, der gemeinsam mit Sebastian Keller 2015 Raum&Zeit gründete. Inzwischen ist aus dem kleinen Start-up einer der größten Anbieter für Freizeiterlebnisse in OWL geworden. Aber zurück nach Berlin: Dort wurden die zwei Bielefelder enttäuscht. „Das Outdoor Game glich eher einer Schnitzeljagd mit ausgedruckten Zetteln. Aber, es war die Geburtsstunde für unsere City Escape Games“, so Michael Wabiszczewicz. Spielelemente in eine eigentlich spielfremde Umgebung zu verlagern, ist dabei nichts Neues. Denn genau so sind die heutigen Escape Rooms, Exit Räume oder Exit Games entstanden. Die Vorlage lieferten Computerspiele, bei denen man Rätsel lösen musste, um in den nächsten Raum zu kommen. In Japan setzte Takao Kato 2007 als Erster die Idee um, ein Point-and-Click-Game ins reale Leben zu übertragen. Den ersten „Real Escape Room“ eröffnete er 2010 in Kyoto. Und entfachte damit einen Freizeittrend, der sich rasant im asiatischen Raum verbreitete. Unabhängig davon kam auch der Ungar Attila Gyurkovics 2011 auf die gleiche Idee. Ebenfalls inspiriert durch ein Point-and-Click Adventure. Er eröffnete in Budapest den ersten Escape Room und verursachte einen Boom. In Deutschland gingen die ersten Anbieter dann Mitte 2013 an den Start. Zwei Jahre später eröffneten Raum&Zeit Adventure Games die Türen für ihre Escape Games in Bielefeld.

Das Team von Raum&Zeit Adventure Games. In der Mitte die Geschäftsführer Sebastian Keller und Michael Wabiszczewicz.

Die Entscheidung, die Stadt zum Spielraum zu machen, fällten die zwei Bielefelder genau zum richtigen Zeitpunkt. „Es war Zeit für Neues. 2018 – also noch vor der Pandemie – stand unser Konzept für die City Escapes“, so das Duo. „Corona-bedingt haben wir dann schnell auf einen kontaktlosen Ablauf umgestellt, Videos gedreht und Stories in Hörbuch-Qualität aufgenommen.“ Überhaupt zeichnen sich die City Escape Touren – auch in Paderborn bietet Raum&Zeit ein Outdoor Game an – durch einen hohen technischen Standard aus. Die spielbegleitende WebApp ist einfach zu bedienen, die vielen Rätselelemente bestehen jedoch aus komplizierten Schaltungen und Microcontrollern. Während die erste Tour „Der verschwundene Professor” ein familienfreundliches Erlebnis ist, ist die zweite Rundtour „Die geheime Apparatur” mit noch mehr Effekten versehen und bietet detailreiche Informationen zu Bielefeld.

Drei bis vier Stunden braucht man für das erste City Adventure, zwei bis drei Stunden für das zweite. „Das einzuschätzen, war auch für uns ein Lernprozess“, erklärt Michael Wabiszczewicz. Möglich sind die Touren übrigens nur durch Kooperationen mit dem Bielefelder Handel. Denn ein Drittel der Rätsel finden sich in den Schaufenstern des Einzelhandels. Aber auch ein Kaugummiautomat, ein auf einem Parkplatz abgestelltes Auto und ein auf der Sparrenburg befindliches Rätsel sorgen für Spannung. „Wir spielen aber auch mit der Umgebung und haben zum Beispiel in einem Graffiti ein Rätsel hinterlassen“, verrät Michael Wabiszczewicz. Beide City Escape Games sind übrigens Spin Offs der Stories aus den mittlerweile vier Escape Rooms. „Wir haben einen Nebenstrang tiefer thematisiert, so dass Anreize entstehen, entweder den Escape Room zu machen oder das Outdoor Escape zu spielen.“ In Paderborn gibt es dagegen eine eigenständige Geschichte, die aber – wie in Bielefeld – von lokalen Bezügen lebt. „Bei uns kann man direkt mit dem Lösen der Fälle loslegen, dafür braucht es nur ein Smartphone“, erklärt Michael Wabiszczewicz.

Allein 2020 haben bereits 5.000 BielefelderInnen die City Escape 2020 gespielt. Und da Stillstand nicht so das Ding der beiden Game Designer ist, haben sie inzwischen neben weiteren Live Abenteuern, wie den über 20 Virtual Reality Escapes, auch online Escape-Spiele entwickelt: vom Video Escape Room über Home Escapes bis hin zu Quiz Escapes. Für alle, die sich draußen schon verausgabt haben und Appetit auf noch mehr knifflige Fälle verspüren. Für Fluchtneulinge bis hin zu Escapespezialisten.

City Escapes – die Stories


Der verschwundene Professor
Auf der Suche nach dem verschollenen Professor Korbinian von Ravensberg passiert ihr verschieden Markierungspunkte und findet verschlüsselte Rätselanlagen, die euch verraten, wohin ihr als Nächstes müsst. Das Besondere: Ihr habt kein Zeitlimit.

Die geheime Apparatur
Er kann es nicht lassen: Der weltberühmte Hacker Viruz ist zurück nach Bielefeld gekehrt und will wieder zuschlagen. Mit Hilfe einer gestohlenen Apparatur soll ein geheimnisvoller Goldbarren geortet werden. Leider ist diese Apparatur durch eine komplizierte Verschlüsselung noch nicht nutzbar. Auf eurer Suche nach einer Lösung trefft ihr an verschiedenen Orten auf Verbündete und Informanten, die euch weitere Hinweise geben, um die mysteriöse Apparatur zu knacken. Ihr habt ein Zeitfenster von 1,5 Stunden, um alle nötigen Informationen zu sammeln und diese geschickt miteinander zu verbinden.
www.raumundzeit-owl.de

TEXT: Corinna Bokermann

Fotos: www.missmeyerfotografie.de/Sabine Meyer Location: Museumshof Senne

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