REGENERATIVE FOOD Nachhaltig produziert

Ob saisonales Gemüse und Kartoffeln aus eigenem Anbau oder Fleisch und Wurst von Tieren aus eigener Haltung: Mit Lebensmitteln aus nachhaltiger Agrarwirtschaft setzen Bielefelder Betriebe Zeichen. Wir haben uns bei landwirtschaftlichen Betrieben, die nach den Kriterien des ökologischen Landbaus arbeiten, Produkte weiterverarbeiten und in ihren Hofl äden vermarkten, umgeschaut. Großes Engagement und Leidenschaft für das, was sie machen, zeichnet sie aus. Und das Beste: In den hofeigenen Cafés wartet der Genuss oftmals direkt vor der Tür.

Die Frage, wie das, was wir essen, produziert wird, spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit unserer Böden und deren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel“, stellt Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler im Food Report 2023 fest und macht einen neuen Food-Trend aus: Regernative Food. Schließlich können auch pflanzliche Lebensmittel oder Ausgangsprodukte für vegane Gerichte eine schlechte Energie- und Nachhaltigkeitsbilanz haben, wenn sie auf eine nicht regenerative Weise angebaut werden, die zu viel Wasser verbraucht und die Humusschicht der Böden reduziert. Landwirtschaftliche Flächen nach den Kriterien des ökologischen Landbaus zu bewirtschaften, wirkt sich dagegen positiv auf die Umwelt – sprich Böden, Wasser und Luft – aus.

Den Ökolandbau, die Weiterverarbeitung und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen und regionaler Wertschöpfung zu fördern, hat sich Bielefeld auf die Fahnen geschrieben. Es ist eins von fünf Zielen des Bio-Städtenetzwerkes. 2022 ist Bielefeld auf Empfehlung des Bielefelder Klimabeirats und mit Ratsbeschluss dem Städtenetzwerk Biostädte beigetreten. Zu den Bio-Betrieben, die nach Kriterien des ökologischen Landbaus arbeiten und dabei auf Biodiversität und die Regeneration des Bodens setzen, zählen u. a. der Biohof Bobbert, Gut Wilhelmsdorf, der Köckerhof und das Obst-Arboretum Bielefeld, wo Besucherinnen im Hofladen Äpfel und diverse Streuobstsäfte kaufen können. „Sie lernen hier aber auch, dass Äpfel bei völligem Verzicht auf Fungizideinsatz manchmal nicht so makellos aussehen, wie sie es im Supermarkt gewohnt sind“, so Hans-Joachim Bannier, Initiator und profunder Obstsortenkenner.

Oda und Rüdiger Bobbert vom Biohof Bobbert, die im Herzen Bielefelds mit viel Engagement und Liebe ihren landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften, setzen ebenfalls auf Nachhaltigkeit. „Wir sagen nein zu Gentechnik, Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln“, erklärt Oda Bobbert. Der nach Bioland-Kriterien arbeitende Betrieb baut für einen gesunden Boden stickstoffsammelnde Gründüngungspflanzen an, düngt pflanzlich und setzt bei seinen 90 Hektar Ackerfläche auf mechanische Unkrautregulierung, um das ökologische Gleichgewicht zu wahren. Und statt langer Transportwege landet das saisonale Gemüse auf kurzem Weg direkt vom Feld im Hofladen.

Neben saisonalem Gemüse und Kartoffeln bietet der Biohof auch Fleisch und Wurst von Rindern, Schweinen, Schafen und Gänsen aus eigener Haltung an. „Sie alle verbringen die meiste Zeit draußen auf der Weide oder in offenen Ställen und fressen Gras, Gemüse und Getreide aus eigenem Anbau“, erklärt Oda Bobbert die artgerechte Tierhaltung. Und ganz im Sinne des Kreislauf-Gedankens versorgen die Tiere die Felder und Weiden mit
wertvollem Dünger. Im Hofladen selbst, findet sich die gesamte Bandbreite des saisonalen
Angebots inklusive hausgemachter Suppen, Bratlinge, Quiches, Kuchen und anderer Leckereien. „Wir können uns Bio-Lebensmittel nicht leisten.“ – ein Argument, das auch Oda
Bobbert in letzter Zeit häufig hört, ist ihr zu kurz gedacht. „Die klimaschädlichen Konsequenzen vieler günstiger Lebensmittel sind kostenmäßig nicht eingepreist. Das macht
sie so günstig“, erklärt sie. „Und genau das können wir uns nicht mehr leisten. Da besteht Handlungsbedarf, denn die Klimakrise ist längst da.“

Café im Zirkuswagen, Köckerhof

Dass Ackerbau und Grünlandwirtschaft nach Bioland-Richtlinien nicht immer einfach sind, aber dem Boden und der Umwelt guttun, entspricht auch der Überzeugung des Teams auf Gut Wihlhelmsdorf. Der Einsatz von chemischen Pestiziden, synthetischen Düngemitteln und gentechnisch veränderten Organismen ist auch hier tabu. Vielfältige Fruchtfolge, keine Pestizide, wirtschaftseigene Dünger, eigene Futtererzeugung und artgerechte Tierhaltung mit viel Weidegang und Stroh im Stall sind dagegen ganz im Sinne von Uli Schumacher und Johannes Berger, die aktuell die Geschäftsführung inne haben. Und so steht der Bioland-Betrieb, der seinen Schwerpunkt im Bioland-Milchviehbetrieb mit einer eigenen Hofmolkerei und einem Bio-Lieferdienst mit Obst und Gemüse setzt, für einen modernen Ökolandbau, der versucht, Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust zu geben. Von den 330 Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden 210 Hektar als Acker bewirtschaftet. Der Bio-Hofladen bietet wiederum ein umfangreiches Vollsortiment an Bio-Lebensmitteln und wer Zeit mitbringt, kann frischen Kaffee und Kuchen direkt vor Ort genießen.

Auf rund 6 Hektar Fläche baut der Köckerhof – seit 1989 Bioland-Betrieb – über 25 verschiedene Sorten Feldgemüse nach Bioland-Richtlinien an. Vermarktet wird es größtenteils über den hofeigenen Gemüse- und Obstladen. „Vom Feld bis zum Regal sind es nur wenige Meter“, sagt Johannes Meyer zur Müdehorst, der aus Überzeugung auf eine unabhängige, regionale und ressourcenschonende Form der Landwirtschaft setzt. Auf ca. 50 Hektar Ackerfläche betreibt der landwirtschaftliche Betrieb biologischen Landbau, um Grünfutter für die Fleischrinder sowie Futter- und Brotgetreide für die Legehennen und Schweine anzubauen.
„Es braucht eine vielfältige und angepasste Fruchtfolge, den Wechsel von Sommer- und Winterkulturen sowie einen sorgfältigen Einsatz von tierischen Düngern wie Gülle und Stallmist“, weiß Johannes Meyer zu Müdehorst, der bei der Regulierung der Unkräuter auf mechanische Verfahren mit dem Striegel oder Hackmaschinen setzt. Die Anbaumethoden sind arbeitsaufwändiger, aber der Bioland-Ackerbau gewährleistet ein nachhaltiges Wirtschaften
in Kreisläufen. „Würde man einige Umwelt-Folgekosten konventioneller Landwirtschaft in die Preise einbeziehen, würden sich die Preise zwischen ökologisch und konventionell produzierten Produkten angleichen“, resümiert Johannes Meyer zur Müdehorst.

TEXT: Corinna Bokermann

Foto: Promotion

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