JETZT WIRD’S WILD

Der Feind in meinem Beet oder doch eher der Freund in meiner Küche? Manchmal kommt es auf die Perspektive an. „Das wächst ja wie Unkraut“, klagen die einen. „Na hoffentlich“, freuen sich die anderen und haben so einige Ideen, was sich aus Löwenzahn, Giersch, Vogelmiere oder Melde zaubern lässt.

FRISCH GESAMMELT UND SERVIERT

Nicht nur im heimischen Garten machen sich allerlei Wildkräuter breit, denen man am besten mit Aufessen statt mit Ärger begegnet. In Wald und Flur gibt es noch deutlich mehr zu entdecken, was die kulinarische Sammellust weckt. Ein Klassiker ist der Bärlauch, der an den Hängen des Teutoburger Waldes besonders gut gedeiht.

Kein Wunder, dass auch Bielefelder Gastronomen ihren Gästen gerne mal ein Bärlauchschaumsüppchen servieren. Zwar ist die Saison im Mai gerade zu Ende gegangen, aber für das Sammeln des frischen Grüns mit dem angenehmen Knoblauch-Aroma gelten ein paar Regeln, die sich gut verallgemeinern lassen.

Gesammelt werden dürfen nur haushaltstypische Mengen. Schließlich möchten andere auch noch fündig werden und die Natur muss eine Chance bekommen, sich zu regenerieren. Außerdem ist vieles, was den Menschen schmeckt, auch für die Tierwelt interessant, zum Beispiel Holunderbeeren oder Hagebutten.

Im eigenen Interesse besser nicht an Rändern von vielbefahrenen Straßen oder konventionell genutzten Äckern, die eventuell mit Pestiziden behandelt wurden, sammeln. Und die wichtigste Regel zum Schluss: „Ab ins Körbchen“ sollte es selbstverständlich nur bei Wildkräutern oder früchten heißen, die zweifelsfrei identifiziert wurden. Wer sich hier unsicher ist, kann Apps
oder zuverlässige Bestimmungsbücher nutzen. Oder an einer der zahlreichen Kräuterwanderungen und -führungen in Bielefeld und Umgebung teilnehmen.

Eine gute Adresse für regelmäßige Termine sind unter anderem das Bauernhausmuseum sowie der Botanische Garten. Wer mit Profis unterwegs ist, hat den Vorteil, deutlich mehr Inspirationen in Sachen Wildwuchs zu bekommen als die üblichen Verdächtigen wie Brennnessel und Co. Teilnehmende lernen zugleich etwas über gesunde Inhaltsstoffe – viele Wildkräuter sind auch Heilkräuter – und bekommen Tipps zur Verwendung in der Küche. Wer einmal gelernt hat, genauer hinzuschauen, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zum Beispiel darüber, dass Weißer Gänsefuß wie Spinat zubereitet werden kann. Dass Vogelbeeren gar nicht giftig sind, wenn man aus ihnen Marmelade kocht und dass sich aus den Blütenrispen von Mädesüß ein aromatischer Sirup bereiten lässt. Oder wie wäre es mit Kiefernlikör, Suppe aus Wilder Möhre oder Schlehen-Gelee? Fazit: Wer Naturerlebnisse und kulinarische Überraschungen mag, wird bei der Expedition in die Wildnis garantiert fündig.

Text: Stefanie Gomoll

Bestimmt gefallen dir auch folgende Artikel

REGENERATIVE FOOD Nachhaltig produziert

Ob saisonales Gemüse und Kartoffeln aus eigenem Anbau oder Fleisch und Wurst von Tieren aus eigener Haltung: Mit Lebensmitteln aus nachhaltiger Agrarwirtschaft setzen Bielefelder Betriebe Zeichen. Wir haben uns bei landwirtschaftlichen Betrieben, die nach den Kriterien des ökologischen Landbaus arbeiten, Produkte weiterverarbeiten und in ihren Hofl äden vermarkten, umgeschaut. Großes Engagement und Leidenschaft für das, was sie machen, zeichnet sie aus. Und das Beste: In den hofeigenen Cafés wartet der Genuss oftmals direkt vor der Tür.

Beerenstarke Cocktails

Wenn man professionelle Bar-Experten fragt, was das Wichtigste bei der Cocktail-Zubereitung ist, dann lautet die Antwort: Nur genau die Zutaten verwenden, die es für einen runden Geschmack tatsächlich braucht. Das heißt: Weniger ist manchmal einfach mehr! Insbesondere, wenn Beeren im Spiel sind. Denn die Aromen von Him-, Brom-, Heidel- und Erdbeeren sind schon für sich genommen sehr intensiv. Beerige Drinks sind einfach ungemein erfrischend und genau das Richtige für die warme Jahreszeit.

SATT UND SELIG

SOULFOOD, AUF DAS KÖCHE IN DER WINTERZEIT SETZEN Das kleine Glück liegt oft so nah: Wärmendes Soulfood vertreibt…

SOOO Grün

Koffein-Junkies aufgepasst. Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt. Ein grüner Wirbelwind namens Matcha hat sich aufgemacht, um frischen Wind in die Getränkeszene zu bringen. Doch Matcha ist nicht nur ein weiteres trendiges Getränk, das durch die Straßen schwappt. Nein, für manche ist Matcha der Kaffee der Zen-Mönche – nur grüner und irgendwie hipper.