RUMtrinken

Um kaum einen anderen Drink ranken sich so viele Mythen und Geschichten. Rum ist das Getränk der Piraten und so steckt im Rum eine gehörige Portion von Seefahrerromantik. Die sieben Weltmeere kommen einem in den Sinn – und natürlich als Erstes die Karibik. Und schon startet das Kopf-Kino: türkisblaues Meer, Sonne, Strand und dazu einen bunten Cocktail.

Um kaum einen anderen Drink ranken sich so viele Mythen und Geschichten. Rum ist das Getränk der Piraten und so steckt im Rum eine gehörige Portion von Seefahrerromantik. Die sieben Weltmeere kommen einem in den Sinn – und natürlich als Erstes die Karibik. Und schon startet das Kopf-Kino: türkisblaues Meer, Sonne, Strand und dazu einen bunten Cocktail.

Und die Verknüpfung von Rum und Karibik ist naheliegend; denn überall, wo Zuckerrohr wächst, wird aus deren Melasse das beliebte Getränk produziert. Aber nicht nur in der Karibik, sondern auch auf den Inseln vor der ostafrikanischen Küste wie Mauritius, Madagaskar und La Réunion oder auf den Philippinen sowie in Mittel- und Südamerika wird erstklassiger Rum hergestellt. Wer gern Geschichten liest, dem sei „Rum – Ein Atlas trunkener Geschichten“ aus dem Bielefelder Delius Klasing Verlag ans Herz gelegt.

Es geht um die Historie des Rums, wie man einen richtig guten Rum erkennt, seine Herstellung und natürlich unterhaltsame Storys – Freibeutertum inklusive. Ganz typische Rum-Länder sind beispielsweise Kuba, Jamaika, Barbados oder Martinique. So sind wohl in Kuba die meisten Cocktails oder Longdrinks auf Rumbasis entstanden. Allen voran der erfrischende Mojito mit frisch gepresstem Limettensaft und aromatischer Minze, der durch Ernest Hemingway weltberühmt wurde. Der Legende nach konnte der trinkfeste Nobelpreisträger so einige Longdrinks vertragen. Angeblich waren es manchmal gut und gern 17 Cocktails, die er in seiner Lieblingsbar Floridita in Havanna trank.

„Drinking rum before 10 a. m. makes you a pirate, not an alcoholic.

Earl Dibbles Jr

Aber auch Cuba Libre, Daiquiri oder Mulata wurden auf der größten Karibikinsel kreiert. Kein Wunder, dass hier die Heimat einiger der weltbesten Barkeeper ist. Etwa vierzig verschiedenen Sorten Rum werden in Kuba hergestellt, die mit ihren ganz un terschiedlichen Geschmacksnuancen verschiedenen Gaumen schmeicheln. Die Entdeckung des Rums war übrigens – wie so oft in der Geschichte – dem Zufall geschuldet: Bei der Zuckerproduktion entsteht Melasse. Dieses Abfallprodukt gärt, wenn es mit Wasser vermengt wird. Dadurch entsteht eine Art Zuckerwein. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde viel mit Melasse experimentiert und wie man sie in einen Brand umwandeln könnte. An den Namen für das Getränk – Aguardente, Kill-Devil oder Rumbullion – lässt sich bereits ablesen, dass das Ergebnis noch nicht so recht überzeugte. Denn Aguardente heißt nichts anderes als Feuerwasser, das mit den Adjektiven ölig, scharf, stinkend und bitter bedacht wurde. Erst mit der Verbesserung der Destillationsmethoden wurde aus dem Fusel ein facettenreiches Getränk, das auch höchsten Ansprüchen genügt und viel Stoff zum Fachsimpeln bietet.

Eine Buddel Rum …

Was wäre aus der Seefahrt wohl ohne den Rum geworden? Das wissen wir nicht, aber fest steht, dass die dänische Westindienflotte im 18. Jahrhundert ihren Haupthafen in der Rumhandelsstadt Flensburg hatte. Damals wurde hier viel mit Verschnitt gearbeitet, der häufig aus lediglich 5 Prozent Rum bestand. Das ist heute zum Glück anders. So wird beispielsweise der Neptuns Rhum aus der Fördenstadt zu 100 Prozent aus kolumbianischem Zuckerrohrsaft hergestellt und reift in fünf Jahren in kleinen Fässern zur Vollendung. Ein richtig guter Tropfen.

Auch die Hansestadt Hamburg punktet mit Rum, der nicht aus klassischen Zuckerrohranbaugebieten stammt. Hannes und Daniel sind zwei Hamburger Jungs, die in zweijähriger Handarbeit ihren „Ron Elba“ entwickelt haben. Die Zutaten: handverlesene Melasse, speziell entwickelte Hefen, etwas Seeluft und viel Liebe zum Detail. Für einen Rum kommt das Getränk aus dem Norden überraschend fruchtig daher. Ohne künstliche Aromen oder zusätzlichen Zucker ist es ein waschechter Dry Rum. Die Melasse zu Ron Elba stammt übrigens aus Mauritius. Und dort kennt man sich ja bestens mit Rum aus. Die inseleigene „Rhumerie de Chamarel“ räumte beim German Rum Festival in Berlin kräftig ab – gleich fünf Medaillen gingen an das Familienunternehmen, dessen Zuckerrohrplantagen 350 Meter über den Meeresspiegel liegen. Inmitten tropischer Blütenpracht wird hier Rum verkostet. Ein einmaliges (Geschmacks-)Erlebnis.

Rum

Ein Atlas trunkener Geschichten Höchst unterhaltsam erzählen die Autoren Geschichten aus verschiedenen Ländern und stellen dabei für Land und Region typische Rum-Marken vor. Es geht um Herstellung, Historie, Zuckerrohr-Ernte, aber auch um Sklaverei, Piraterie und eine Rum-Universität.

Aber Mauritius hat neben Chamarel und dem hervorragendem St. Aubin 1819 – besonderer Beliebtheit erfreuen sich der White Agricultural, Vanillia oder Coffee Rum – noch den ausgezeichneten Rum der Domaine Labourdonnais zu bieten. So ist der Classic Gold Rum nicht nur – wie der Name schon vermuten lässt – ein goldener Rum, sondern er bietet eine ausgewogene Kombination aus Vanille, Zuckerrohr, Kaffee und zarten Holznoten. Auch den fünf Jahre gereiften Labourdonnais XO Single Cask sollte man mal probiert haben.

Traditionsbewusst Neben all den neuen Rums setzen einige Hersteller bewusst auf Tradition. Experten zeigen sich begeistert vom Plantation Rum Overproof O.F.T.D. Die Abkürzung steht für „Old Fashioned Traditional Dark“, was so viel wie altmodisch, traditionell und dunkel bedeutet. Diesen Rum mit seinen 70 Prozent vol. sollte man keinesfalls unterschätzen. Hier ist also Verdünnen angesagt oder man mixt aus dem Blend mit Rum aus Barbados, Jamaika und Guyana einen raffinierten Cocktail. Und wer mit Australien nur rote Erde und trockene Landschaften verbindet, der hat den tropischen Norden bzw. den Bundesstaat Queensland noch nicht besucht. Hier fährt man an Zuckerrohrfeldern entlang, so weit das Auge reicht.

In dem Städtchen Bundaberg wird der gleichnamige Rum hergestellt. Obwohl: Strenggenommen ist er nach europäischen Maßstäben vielmehr eine Spirituose auf Rum-Basis. Nichtsdestotrotz erfreut sich der Bundaberg Australian Spiced Spirit auch in hiesigen Gefilden wachsender Beliebtheit. Der Rumlikör mit Gewürzen vereint fruchtige und mild würzige Noten mit angenehmer Süße.Wer immer schon mal mehr über Rum erfahren wollte, der bekommt bei einem Rum-Tasting einen guten Eindruck von der ganzen Vielfalt dieses Getränks. Angeboten werden Tastings zum Beispiel im Whisky Room in der Bielefelder Altstadt oder bei „Vom Fass“. Aber egal ob dry, old fashioned oder spiced – die Welt des Rums ist wunderbar vielfältig. Da dürfte für jeden etwas dabei sein. Wohl bekomm’s!

Text: Eike Birck | Fotos: thenounproject.com /Graphic Enginer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bestimmt gefallen dir auch folgende Artikel

WEISSE MÜTZE GRÜNER DAUMEN

Nachdem Urban Gardening die Ballungsräume erobert hat, liegt jetzt auch in der Gastronomie der eigene Anbau von Obst, Gemüse und vor allem Kräutern im Trend. Genau genommen meint Gastro-Farming die Anzucht von frischem Grün auf Dach-Terrassen oder gar indoor mit eigens dafür kreierten Beleuchtungs- und Bewässerungssystemen. Doch das haben Bielefelds Kräuterköche gar nicht nötig. Die sprichwörtliche Großstadt im Grünen bietet nämlich genug Fläche, um Köstliches für die Küche auf altbewährte Art wachsen zu lassen.

KRASSE KRÄUTER

Streift man an ihnen vorbei oder fährt mit den Händen leicht durch die Kräuter hindurch, fängt man ihren Duft ein. Heimische Kräuter wie Kamille, Schafgarbe, Quendel, Ehrenpreis, Teufelskralle oder Ringelblumen wachsen im Kräutergarten von Dagmar Schulz. Die Heilpflanzen-Expertin hat ihn im Hinterhof ihres Kräuterladens angelegt.

KOHLDAMPF

Kohl ist hip. Egal, wie er daherkommt. Mal versteckt er sich unscheinbar püriert im Smoothie, ein anderes Mal übernimmt er gerollt oder geschmort die Hauptrolle auf dem Teller. Eigentlich kein Wunder, ist er doch mit seinem hohen Ballast- und Mineralstoffgehalt ein sehr gesundes Gemüse.